09.03.2025

Geheimnisse der Bonner Müllbunker

Von der Leitwarte aus bedient Jochen Moll den Greifer in der Müllverwertungsanlage der Stadtwerke Bonn. (Foto: Stadtwerke Bonn/Martin Magunia)

In der Leitwarte der Bonner Müllverwertungsanlage staunen Besucherinnen und Besucher oft nicht schlecht, wenn sie durch die Fensterscheiben in die Tiefen der beiden Müllbunker blicken. In den Bunkern durchpflügen tonnenschwere Greifer unermüdlich die Abfallberge. Gesteuert werden sie tagsüber manuell von Mitarbeitenden aus der Leitwarte.

„Schau mal, eine Matratze! Und hier, ein alter Teppich!“, ruft einer der Besucher erstaunt. Über die Greifer gelangt der Müll in die Trichter, um dort in den Brennkammern verwertet zu werden. Warum aber wird der Müll ständig per Greifer durchmischt? „Manche Abfälle sind z.B. trockener, andere feuchter – wir sprechen auch von niedrig- und hochkalorischem Müll. Da dieser unterschiedlich gut brennt, muss alles gründlich gemischt werden. So erreichen wir eine Art homogene Masse“, erklärt Antonia Windheuser, die Führungen bei der SWB Verwertung veranstaltet. 

Kurioses aus der Schlacke

In den Müllbergen finden sich bisweilen kuriose Gegenstände. Nicht nur Matratzen und Teppiche landen hier. „Wir haben auch schon Buddha-Statuen aus Messing oder einen Tresor in der Schlacke entdeckt“, erzählt Windheuser mit einem Schmunzeln. „Ob darin wohl ein Schatz verborgen war, bleibt ein Geheimnis.“

Bodenprüfung erfolgreich

Die Müllverwertungsanlage arbeitet an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. Ständig wird Abfall verwertet. Der Boden des breiteren Müllbunkers – intern auch Altbunker genannt - hat rund zehn Jahre lang kein Tageslicht mehr gesehen. Er geht vom Erdgeschoss zwölf Meter in die Tiefe. Zuletzt wurde er 2015 saniert. Anfang Februar 2025 wurde er zum Teil erneut freigelegt, damit Fachleute Bodenproben entnehmen und den Beton begutachten konnten. Das Ergebnis: Alles in einwandfreiem Zustand. Währenddessen lief der Betrieb ununterbrochen weiter.

Fernwärme aus dem Bonner Müll

Der Müllbunkeranbau wurde 2016 in Betrieb genommen, sodass die Lagerkapazität von 13.000 auf insgesamt 27.000 Kubikmeter anwuchs. Damit ist eine kontinuierliche Versorgung des benachbarten Heizkraftwerks von SWB Energie und Wasser mit Dampf gesichert. So trägt die Anlage nicht nur zur Müllverwertung, sondern auch zur klimaschonenden Strom- und Fernwärmeproduktion bei.

Was also auf den ersten Blick nur Restmüll ist, ist in Wahrheit eine wertvolle Energiequelle. Die Bonner Müllverwertungsanlage ist ein faszinierender Ort, an dem sich zeigt, wie Abfall zu einer nachhaltigen Ressource werden kann. (is)

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